Pay What You Want!

Sa. 2.02.2015 Aachener Nachrichten, Nina Krüsmann

Wieviel wollen Sie denn zahlen?

Mit der Marketing-Idee „Pay what you want“ betritt das Eurogress Neuland. Das Angebot, den Preis selbst zu bestimmen, ist auf die Ferien beschränkt. Das Kongresszentrum will damit ruhige Zeiten beleben.

Innovativ und spannend ist das ungewöhnliche neue Marketing-Konzept des Eurogress Aachen: Mit einem flexiblen Preismodell möchte das Kongresszentrum die Zeit der Oster-, Sommer- und Herbstferien beleben.

Bei der Aktion „Pay what you want“ hat jeder Veranstalter die Möglichkeit, den Preis für seine Tagungspauschale selbst festzulegen. Was bislang zum Beispiel bei Musik-Downloads im Internet, Museumsbesuchen und Zoo-Eintrittsgeldern funktioniert hat, soll nun erstmals in Deutschland in einem Veranstaltungszentrum Anwendung finden, wie Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf erklärt.

Die neue Marketing-Aktion wurde gemeinsam mit Studierenden der RWTH Aachen unter Dr. Markus Kunter vom Lehrstuhl der Time Research Area entwickelt und ist bislang im Tagungs- und Kongressgeschäft einzigartig. „Die Aktion startet ab sofort und ist zunächst auf dieses Jahr befristet. Das Angebot ist auf die Ferienzeiten und Veranstaltungen mit Konferenzcharakter mit einer Teilnehmerzahl zwischen 30 bis maximal 150 Teilnehmern beschränkt“, erklärt Wulf die Spielregeln.

Die absolute Untergrenze sei tatsächlich null Euro. „Wir rechnen aber mit der Fairness unserer Stammkunden und sind davon überzeugt, die Kunden mit unserer Leistung zu überzeugen, so dass sie diese auch entsprechend honorieren werden“, meint die Geschäftsführerin. Der Erfolg des Projekts werde wohl von der persönlichen Distanz zwischen Kunde und Eurogress abhängen und höher sein, wenn die persönliche Zusammenarbeit mit dem Kunden gut funktioniert.

Der Referenzwert liegt bei der sonst üblichen Tagungspauschale von 49 Euro pro Person. Darin enthalten sind die üblichen Leistungen wie Tagungsgetränke, Mittagessen, freies W-Lan, technische Einweisung und Ausstattung. Buchbar sind je nach Teilnehmerzahl die Konferenzräume 1 bis 9 im Eurogress an der Monheimsallee 48 – und auch der Caterer des Eurogress trägt das unternehmerische Risiko mit.

Wulf ist vom Erfolg eines solchen nicht ganz risikolosen Angebots überzeugt: „Das kann für alle ein großer Gewinn sein. Der Marketing-Gag verschafft uns Werbung, erschließt uns eine neue Zielgruppe. Gegenüber unserer sonstigen Kundschaft, zum Beispiel großen Kongressen der RWTH, kommen nun auch vielleicht kleinere Vereine und Verbände auf den Geschmack.“ Für die Kunden bietet sich so die Chance, neue Veranstaltungen auszuprobieren, die flexibel planbar sind. „Wer dann zufrieden ist, etabliert sich vielleicht später auch außerhalb der Ferienzeiten bei uns“, hofft Wulf.

In der Wissenschaft werde laufend nach fortschrittlichen Preisfindungsprozessen geforscht, um die Suche nach dem Idealpreis in der Praxis zu vereinfachen, wie Beatrix Karlsberg, Geschäftsbereichsleitung Marketing und Verkauf im Eurogress weiß. „Der Preismechanismus ‚Pay what you want‘ sorgt in letzter Zeit für große Aufmerksamkeit. Bei Dienstleistungen, bei denen der Preis für den Kunden oft nicht nachvollziehbar ist, kann diese Methode eine gute Möglichkeit sein, eine stärkere Auseinandersetzung des Kunden mit dem Wert der Dienstleistung zu erreichen und somit die Nachfrage zu steigern.“

Im Allwetterzoo in Münster habe das System „Pay what you want“ im Winter dazu geführt, dass die Kundschaft zwar deutlich weniger als den sonst üblichen Eintrittspreis gezahlt habe – aber dafür kamen auch deutlich mehr Besucher als sonst an den umsatzschwachen Wintertagen. „Wir sind gespannt, wie es in Aachen läuft“, sagt Kristina Wulf.

Weitere Informationen zur Pay what you want Pauschale

 
Virtuelle Tour beginnen