„Ein Zeichen von Verantwortung“

Im Branchenmagazin "Musikmarkt" ist in der Oktober Ausgabe ein Interview mit Kristina Wulf, Geschäftsführerin Eurogress Aachen
veröffentlicht.
Auch für den Europäischen Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC) spielen „grüne“ Themen eine wichtige Rolle. Nach dem Green-Globe-Zertifizierungsverfahren für Veranstaltungs-häuser hat der Verband mittlerweile auch den Kodex fairpflichtet mit initiiert. „musikmarkt“ sprach mit Kristina Wulf, als EVVC -Vorstandsmitglied unter anderem zuständig für den Bereich Nachhaltigkeit, über aktuelle Entwicklungen.
musikmarkt: Wie sind Sie mit der Resonanz auf fairpflichtet zufrieden?
Kristina Wulf: Der Nachhaltigkeitskodex fairpflichtet ist 2012 vom EVVC und vom German Convention Bureau eingeführt worden. Seitdem haben sich 406 Unternehmen bzw. Verbände „fairpflichtet“. Im einzelnen handelt es sich dabei um vier Verbände, 40 Supplier, 54 Hotels, 76 Venues sowie 233 Accor-Hotels. Aus meiner Sicht ist das eine Bestätigung, dass wir mit diesem Kodex ein Instrument anbieten, mit dem der Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit erleichtert wird und der viele dazu bewegt, sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzu-setzen.
musikmarkt: Gibt es Beispiele für Spielstätten, die in dem Zusammenhang besonders bemerkenswert sind?
Kristina Wulf: In diesem Zusammenhang einzelne Spielstätten
zu benennen ist meines Erachtens nicht möglich, da jede für
sich sehr unterschiedliche Ansätze für ein nachhaltiges Handeln gefunden hat. Es ist ein Best-Practice-Ideenpool entstanden, von dem jeder, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt, profitieren kann. Da jeder Unterstützer des Kodex nach einem Jahr in einem Fortschrittsbericht darlegen muss, welche nachhaltigen Maßnahmen er bereits umgesetzt
hat bzw. welche nachhaltigen Ziele er zukünftig verfolgen
will, kann man in diesen Berichten sehr viele verschiedene und
sehr gute Ideen finden.
musikmarkt: Wie wichtig sehen Sie den Bereich Nachhaltig- keit insgesamt für die Veranstaltungswirtschaft?
Kristina Wulf: Das Thema ist unwahrscheinlich wichtig für die
Veranstaltungswirtschaft. Die Beschäftigung mit dem Thema
Nachhaltigkeit ist ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein.
Bei Veranstaltungen kommen vielen Menschen zusammen, so dass selbstverständlich per se die Umweltbelastung zunimmt.
Angefangen von der Anreise der Veranstaltungsteilnehmer
mit den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln bis hin zum Catering und der Verteilung von Tagungsunterlagen
Veranstaltungen bieten viel Potenzial, verantwortungsbewusst
in Sachen Nachhaltigkeit zu handeln oder aber auch nicht. Die Veranstaltungsbranche tut daher gut daran, sich zu enga- gieren und das Bewusstsein für das Thema noch weiter zu schärfen.
musikmarkt: Welche Vorteile ergeben sich für Spielstätten-Betreiber konkret aus Maßnahmen und Konzepten
zum Thema „Green“?
Kristina Wulf: Wenn man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt und entsprechende Maßnahmen in der Spielstätte
oder bei einer Veranstaltung umsetzen will, betrachtet man Abläufe, die Spielstätte sowie den Umgang mit Mitarbeitern etc. noch mal ganz anders. Damit bietet sich die Chance, nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial sinnvolle Veränderungen anzustoßen. Aus vielen dieser Veränderungen entsteht zudem ein nicht zu unterschätzendes Einspar-potenzial. Darüber hinaus hat das Meeting & Eventbarometer 2013 bewiesen, dass fast die Hälfte aller Veranstaltungs-organisatoren Anbietern mit einem Nachhaltigkeits-
Managementsystem den Vorzug geben. Hieraus ergibt sich ein
deutlicher Wettbewerbsvorteil für die Spielstätten, die sich bereits frühzeitig mit dem Thema beschäftigen.
musikmarkt: Wird das Thema auch vonseiten der Konzert- und Event-Veranstalter Ihnen gegenüber thematisiert?
Kristina Wulf: Auch die Konzert und Eventveranstalter beschäftigen sich zunehmend mit dem Thema Nachhaltigkeit und erwarten von den Spielstätten ein entsprechendes Engagement. Diese Erwartung wird meines Erachtens eher noch steigen, so dass auch Konzertveranstalter nachhaltiges Engagement einfordern werden und selbst nachhaltig veran- stalten werden. Einige Künstler legen schon jetzt viel Wert auf die nachhaltige Planung ihrer Tournee bzw. ihres Konzertes.
musikmarkt: Wie weit ist das Bewusstsein für das Thema im deutschen Sprachraum im internationalen Vergleich
ausgeprägt?
Kristina Wulf: Nachhaltigkeit spielt auch international eine immer größere Rolle – zum Glück. Dennoch liegt noch ein weiter Weg vor uns, bis das Bewusstsein um die Zusammenhänge zwischen Umweltverschmutzung, Erderwärmung und Klima-wandel wirklich umfassend global geschärft ist. Deutschland und das westliche Europa nehmen hier sicherlich schon heute eine Vorreiterrolle ein.
musikmarkt: Wie werden die Fortbildungsangebote des EVVC in diesem Bereich angenommen?
Kristina Wulf: Wir bieten immer wieder mit großem Erfolg Aus und Weiterbildungs-Seminare zu verschiedenen Themen rund um das Hauptthema Nachhaltigkeit an. Gemeinsam mit dem German Convention Bureau veranstalten wir Seminare zur Ausbildung von Nachhaltigkeitsberatern, die vom GCB organisiert werden. Bei unserer Managementfachtagung
steht das Thema regelmäßig auf dem Programm. Die zahlreichen Anmeldungen hierzu zeigen uns, dass das Interesse und der Wunsch nach weiteren Informationen nach wie vor groß sind.
musikmarkt: Sind weitere Initiativen des EVVC in diesem Bereich geplant?
Kristina Wulf: Zum einen planen wir, den Nachhaltigkeitskodex
fairpflichtet sowie das EVVC Green Globe-Zertifikat weiter zu
entwickeln. Zum anderen werden wir immer wieder Angebote
für unsere Mitglieder schaffen, sich in Workshops etc. mit diesem Thema zu beschäftigen. Interview: Jörg Laumann

Zur Person:

Kristina Wulf fungiert seit 2009 als Geschäftsführerin
des Kongresszentrums Eurogress in Aachen. Zuvor war sie
u.a. als Geschäftsführerin der Osnabrücker Veranstaltungsund
Kongress GmbH, als Leiterin Veranstaltungsmanagement
und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Lübecker
Musik- und Kongreßhallen GmbH tätig gewesen. Wulf die Angewandte Kulturwissenschafte und Musikwissenschaften
studiert hat, gehört seit 2010 dem Vorstand des EVVC an. Ihr Vorstandsressort CSR umfasst die Bereiche Nachhaltigkeit sowie Aus- und Weiterbildung.

 
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