Eurogress senkt die Verluste und will im Spielcasino Kasse machen

Mi, 17. Apr. 2013 Aachener Zeitung

Trotz roter Zahlen garantiert das Eurogress der Stadt Aachen enorme Gewinne – nicht nur kulturell, sondern in zweistelliger Millionenhöhe. So sieht die simple Rechnung aus: Bei 256 Veranstaltungen im Jahr 2012 mit insgesamt 190 000 Besuchern nahm das Team um Geschäftsführerin Kristina Wulf an der Monheimsallee 4,21 Millionen Euro ein. Der Summe stehen Aufwendungen in Höhe von 5,93 Millionen Euro gegenüber. Damit steht unterm Strich ein Minus von 1,72 Millionen Euro. Dies seien 246 000 Euro weniger als in der ursprünglichen Budgetplanung kalkuliert, betonte Wulf am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz. „Ein tolles Ergebnis – vor allem weil wir sehr genau auf die Kostenseite geachtet haben. Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiter“, lobte sie.

Demnach verringern sich die städtischen Zuschüsse um eine Viertelmillion Euro. Noch bedeutsamer für Aachen sei allerdings die Wertschöpfung für die Aachener Geschäftswelt, erklärte Wulf. Wirtschaftsexperten taxieren allein die Ausgaben der 70 000 Kongressgäste, die eigens zu Veranstaltungen im Eurogress anreisen (wobei 40 Prozent in hiesigen Hotels übernachten) auf rund 15 Millionen Euro. Dieses Geld fließe in die hiesige Hotellerie, die Gastronomie und den Einzelhandel.

Möglich sei dies, weil das Euro-gress seit 2001 für insgesamt rund 20 Millionen Euro renoviert und modernisiert wurde. Entsprechende Abschreibungen und Zinsbelastungen tauchen deshalb auch Jahr für Jahr in der Bilanz auf. Vergangenes Jahr wurden Konferenzräume für 2,5 Millionen Euro auf den neuesten technischen Stand gebracht, weswegen das Eurogress an 68 Umbautagen für Veranstalter tabu war. 2014 sind noch einige Tagungsräume, Treppen und der Eingangsbereich an der Reihe. Dann ist das Haus nach 13-jährigem Sanierungsmarathon – oft bei laufendem Betrieb – am Ziel.

Am Limit ist man indes schon jetzt. „Mehr Veranstaltungen können wir im jetzigen Bestand nicht bewältigen, obwohl die Nachfrage höher ist“, sagt Wulf. Seit Jahren kämpft sie um mehr Platz, um weitere Kongresse und Tagungen nach Aachen holen zu können. Dabei richtet sich der Blick schon länger Richtung Spielcasino im Neuen Kurhaus nebenan. „Wir haben den Bedarf angemeldet. Wenn dem Eurogress mehr Platz zur Verfügung stehen würde, könnten wir die Erträge weiter steigern“, erklärt sie. Doch derzeit ist völlig unklar, wie lang der Spielbank-Betreiber Westspiel noch den defizitären Spielbetrieb im Aachener Casino fortführen will. Denkbar wäre auch ein Umzug des ohnehin schwindenden klassischen Spiels zum Automatencasino im Kapuziner Karree. Dass Roulette und Poker in die City abwandern und damit Platz für eine Expansion des Eurogress ermöglichen, gilt offiziell aber noch als reine Spekulation. Genauso offen ist die Frage, wer di e Umbaukosten stemmen könnte.

Unabhängig davon sieht Wulf positiv in die Zukunft: „Das Jahr 2013 wird richtig gut“, prophezeit sie. Heute kommt Cindy aus Marzahn, bald Dieter Nuhr, dann lockt der Karneval wieder 30 000 Narren zu den Sitzungen. „Die Buchungen sind hervorragend“, sagt Wulf. Das gilt genauso für den Bendplatz, der 2012 rund 444 000 Euro Pacht-Erlöse auf Eurogress-Konten spülte. Das schmeckt der Geschäftsführerin. Wie das kulinarische Angebot des neuen Caterers „lemonpie“, der ab 1. August im Eurogress Speisen und Getränke liefert. Auch das soll sich auszahlen.

 
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