Eurogress: Den Veranstaltern schmeckt es

Mi, 19. Mär. 2014 Aachener Nachrichten

Geschäftsführerin Kristina Wulf zieht eine positive Bilanz für 2013. Geringeres Minus als erwartet. Neues Catering kommt gut an.

Den Veranstaltern von Tagungen und Kongressen, Feiern und Konzerten scheint das Eurogress seit August letzten Jahres deutlich besser zu schmecken. 79 Prozent sind mit den gastronomischen Leistungen an der Monheimsallee zufrieden. Vor August waren das gerade mal 51 Prozent – eine satte Steigerung um 28 Punkte also. Die verdankt Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf vor allem dem neuen Event-Caterer „Lemon Pie“. „Unsere Kunden sind seit dem Catererwechsel deutlich zufriedener“, sagt sie. „Die Qualität hat sich klar verbessert.“

89 Prozent Kundenzufriedenheit

Das ist ein wichtiges Fazit, das Wulf aus dem vergangenen Jahr ziehen kann. Gestern stellte sie die Bilanz für 2013 vor. Und zu der gehören seit 2010 unter anderem die Ergebnisse der Veranstalterbefragung. In Kategorien wie Räume, Technik, Gastronomie und Betreuung können sie die Leistungen des Eurogress nach jeder Veranstaltung bewerten.

Insgesamt kommen Wulf und ihr Team mittlerweile auf eine Zufriedenheit von 89 Prozent, eine Zahl, mit der die Chefin gut leben kann. Künftig will sie die Befragung auf die Besucher ausdehnen. Entsprechende Umfrage-Terminals werden demnächst im Euro-gress installiert.

Äußerst zufrieden ist Kristina Wulf auch mit den ganz großen Zahlen für 2013. „Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir den Umsatz um 30 Prozent steigern“, sagt sie. In nackten Zahlen bedeute das ein hübsches Plus von 800 000 Euro gegenüber dem, was im Plan angesetzt war. Der Grund: eine bessere Auslastung des Eurogress. Die Zahl der Tagungen und Kongresse nahm beispielsweise um sieben Prozent zu. Das schmeckt der Geschäftsführerin. Auf 255 Kongresse, Messen und Events kommt das Eurogress alles in allem, 160 000 Gäste strömten dorthin, was durchaus im Schnitt liegt. „Aber unsere Räume sind deutlich besser ausgelastet gewesen.“

Knapp die Hälfte aller Veranstaltungen sind Tagungen und Kongresse, 25 Prozent davon kommen direkt aus dem RWTH-Umfeld. Wulf: „Daran sieht man, wie wichtig die Hochschule für unser Geschäft ist. Aber auch für die Stadt selbst. Denn die Kongressteilnehmer lassen viel Geld hier.“ So seien 2013 allein durch Eurogress-Veranstaltungen rund 12,5 Millionen Euro in Aachens Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel geflossen.

Steigende Aufwände

Der Gesamtumsatz beläuft sich fürs Eurogress 2013 auf nicht ganz 5,5 Millionen Euro. Allerdings: „Steigende Erträge bedeuten auch steigende Aufwände“, erklärt Kristina Wulf. Deshalb gibt es wie üblich am Ende ein Minus-Ergebnis, das am Dienstag schwarz auf weiß auf die Wand des Tagungstreffs projiziert wird. Minus 1,12 Millionen Euro stehen dort, nach Abzug einer Sonderausschüttung, die das Eurogress erhalten hat, sind es sogar minus 1,66 Millionen Euro. Jedoch: „Geplant war ein Minus von 1,99 Millionen Euro“, erklärt Wulf. „Deshalb sind wir sehr froh, dass es uns gelungen ist, dieses Ergebnis deutlich zu verbessern.“

Die Eurogress-Chefin weist aber auch darauf hin, dass damit langsam das Ende der Fahnenstange erreicht sei. „Unser Ziel ist es nun, dieses Auslastungsniveau zu halten. Eine große Steigerung ist nicht mehr möglich. Ohnehin müssen wir jedes Jahr mehreren Veranstaltern eine Absage erteilen – aus Kapazitätsgründen.“

Anderswo sehen Kristina Wulf und ihr Team allerdings noch einige Verbesserungsmöglichkeiten. Etwa beim Thema Sanierung. Drei Konferenzräume, die Treppenhäuser und die Pforte stehen in diesem Jahr auf der Aufhübschungsliste, in den nahezu veranstaltungslosen Sommerferien soll das erledigt werden. „Nächstes Jahr haben wir dann ein umfänglich saniertes Eurogress, das zu den modernsten Kongresszentren Deutschlands gehört“, ist Wulf überzeugt. „Hier und da herrscht noch der Charme der 80er Jahre, das ist bald vorbei.“

Vorerst aber freut sie sich auf das anstehende Programm für dieses Jahr. Das bietet wie immer einen Mix aus Tagungen und Messen, Konzerten, Comedy, Feiern und Bällen. Neben Eigenveranstaltungen, etwa Jürgen B. Hausmann, ZAB, Vital-Messe und Weihnachtskonzert „Gold und Silber“, kommen unter anderem Howard Carpendale, Carolin Kebekus, Dieter Nuhr, Ian Anderson von Jethro Tull und die Höhner Rockin‘ Roncalli Show ins Eurogress beziehungsweise zum Bendplatz.

„Der Kalender für 2014 ist schon gut gefüllt“, so die Eurogress-Chefin.

Sorgenkind Bendplatz und Nutzung des Tivoli

Der Bendplatz ist ein wenig das Problemkind für Eurogress-Chefin Kristina Wulf. Seit diesem Jahr ist ihr dort eine wichtige Veranstaltung weggebrochen. Die Euregio Wirtschaftsschau findet erstmals nicht mehr an der Kühlwetterstraße statt, sondern auf dem Gelände des ALRV. „Das bedeutet für uns natürlich Umsatzeinbußen“, bestätigte Wulf gestern. Wie hoch die sind, wollte sie nicht beziffern. Eine ähnlich große Ersatzveranstaltung für einen ähnlich langen Zeitraum zu finden, sei jedoch nicht einfach.

Auf 2013 blickt die Geschäftsführerin aber positiv zurück. So sei der Bendplatz mit 14 Veranstaltungen 191 Tage lang belegt gewesen, 241 Tage wurde er – auch parallel – als Parkplatz genutzt. 850 000 Besucher waren dort. Neben dem Bend fanden auch Märkte, Zirkus-Veranstaltungen und erstmals das Holi Gaudy-Festival statt. Das Musik-Festival, bei dem man sich mit buntem Pulver bewirft, wird es auch in diesem Sommer wieder geben. Vorstellen kann sich Wulf, mehr Musik-Events dort zu veranstalten. „Das ist ausbaufähig. Allerdings bekommen wir bei voller Auslastung von 20 000 Leuten und Veranstaltungen am Abend ein Platz- und Lärmproblem. Wir müssen schauen, was da geht.“

Noch bis Ende Juni ist das Eurogress auch für die Vermarktung des Tivolis zuständig – eine Zwischenlösung. Derzeit finden dort vor allem kleinere Veranstaltungen für Firmen und die RWTH statt. Politisch ist noch nicht klar, was dort in Zukunft außer Fußball alles möglich ist. Kristina Wulf hätte jedenfalls nichts dagegen, die Vermarktung ganz zu übernehmen und dann ein Konzept für alternative Nutzungen zu entwickeln.

„Nächstes Jahr haben wir ein umfänglich saniertes Eurogress, das zu den modernsten Kongresszentren Deutschlands gehört.“ Kristina Wulf, Eurogress Geschäftsführerin

 
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