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Neues Kurhaus: Die Bauarbeiter legen jetzt los

Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten, 13.02.2020
von Gerald Eimer

Rund 50 Millionen Euro wird sich die Stadt die Sanierung kosten lassen. 2023 soll das Haus dem Eurogress übergeben werden.

Aachen „Für mich persönlich ist es das Postkartenmotiv von Aachen“, sagt Wilfried Sterck über das Gebäude, dem er in den kommenden drei Jahren so nahe sein wird wie keinem anderen. Ab sofort ist er mit der Leitung des Projekts „Revitalisierung des Neuen Kurhauses“ beauftragt. Eine spannendere Arbeit kann er sich derzeit kaum vorstellen.
„Absolut fantastisch“ nennt Sterck die Aufgabe, den in die Jahre gekommenen Bau wieder in Schuss zu bringen. Nicht weniger begeistert äußert sich sein Vorgesetzter Klaus Schavan, Technischer Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements. „Eine solche Aufgabe hat man vielleicht einmal im Leben vor der Brust“, sagt er. „Wir packen hier eines der Juwele der Stadt an, da freut sich jeder, dass es endlich losgeht.“

Asbestbelasteter Putz

Lange genug haben er und sein Team auf den am Mittwoch vollzogenen offiziellen Startschuss für die Sanierungsarbeiten warten müssen. Fotografengerecht ließ man im Hinterhof einen kleinen Bagger vorfahren, der dort ein Mäuerchen niederlegte. Die eigentlichen Arbeiten werden sich in den nächsten Monaten aber vor allem im Inneren des denkmalgeschützten neoklassizistischen Gebäudes abspielen. Unter anderem müssen die gesamten technischen Anlagen ausgebaut werden, sagt Schavan. „Die sind über 40 Jahre alt und nicht zu retten.“ Zudem sollen sämtliche Wände vom asbestbelasteten Putz befreit werden.
Mindestens bis zum Spätherbst werde man mit solchen Arbeiten beschäftigt sein. Mit dem Wiederaufbau könne man nach derzeitiger Planung im Frühjahr 2021 starten, glaubt Schavan. Manch alter Glanz, der bei der letzten großen Sanierung in den 1970er Jahren verlorengegangen ist, soll dann wieder zutage gefördert werden. Dazu zählen etwa alte Marmorsäulen und Marmorböden, die unter billigem Putz wiederentdeckt wurden. Dazu zählen einige alte Fresken. Und dazu zählt vor allem auch der mondäne Kursaal, in dem zuletzt dem Glücksspiel gefrönt wurde.
Solange das Spielcasino dort residierte, war von den alten Qualitäten des großen Saals nichts mehr zu erkennen. Ein tonnenschweres Kettengehänge verdeckte viele Jahre den Blick auf die schmuckvolle hohe Decke. Hellbraun gestrichen sieht sie heute aus, was aber täuscht. „Alles Nikotin“, sagt Sterck. Jahrzehntelang ausgedünstet an den Spieltischen. Mit der Sanierung wolle man nun auch dem historischen – weißen – Originalzustand wieder möglichst nahekommen.
Der Kursaal ist das Herzstück des 1916 fertiggestellten Kurhauses, auf das sich auch Eurogress-Chefin Kristina Wulf besonders freut. Sie schwärmt von einer guten Ergänzung zu den anderen Veranstaltungsorten, die das Eurogress gleich nebenan und auch im Tivoli betreibt. „Wir wollen diesen Ort den Bürgern wieder zurückgeben“, sagt Wulf. Den Fokus wolle man dort auf kulturelle Veranstaltungen und das gesellschaftliche Leben richten. Das schaffe dann auch die dringend benötigten zusätzlichen Kapazitäten im Eurogress für Kongresse und Tagungen.
Ursprünglich hatte Wulf größeren Bedarf angemeldet und einen neuen Saal für bis zu 1000 Menschen gefordert. Den wird sie im Neuen Kurhaus nicht bekommen. „Aber wir wollen nicht zu gierig sein“, sagt sie. Denn auch mit den zusätzlichen Räumen „können wir besser jonglieren“.
Als künftige Hauptnutzer werden dem Eurogress-Team auch Büroflächen auf der ersten Etage überlassen. Im rechten Gebäudeflügel können sich aber auch Fremdnutzer einmieten. Offen ist noch, von wem und in welcher Form die im Untergeschoss geplanten Clubräume genutzt werden. Man werde sie zunächst „ganz allgemein“ herrichten, sagt Schavan. Sobald ein Betreiber gefunden sei und das Konzept stehe, könne man es dann flexibel anpassen.

Mit der Modernisierung werde jetzt „ein neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte des Gebäudes“ aufgeschlagen, freut sich auch der städtische Beigeordnete Manfred Sicking, der sich noch gut an den Beginn seiner Aachen-Zeit vor 40 Jahren erinnern kann. „Das Neue Kurhaus war eines der ersten Gebäude, das ich wahrgenommen habe.“ Auch er zeigte sich „froh, dass es jetzt losgeht“. Endgültig beendet sind damit auch die langen und kontroversen politischen Diskussionen über Sinn und Zweck des teuren Umbaus.
Rund 50 Millionen Euro wird sich die Stadt die Sanierung kosten lassen. Mitte bis Ende 2023 soll das Haus dem Eurogress übergeben werden. Auf einen Monat genau will sich Schavan nicht festlegen. „Das wäre nicht seriös.“
Bis dahin werden sich Aachen-Besucher an der Monheimsallee mit dem „sprechenden Bauzaun“ als Fotomotiv begnügen müssen. Die 2,50 Meter hohe und gut 350 Meter lange Absperrung rund ums Neue Kurhaus soll gleich nach Karneval mit vielen historischen Motiven und Informationen verziert werden, die einen Einblick in die Geschichte des Prachtbaus geben.

 

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