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Vollgas! Mit angezogener Handbremse?!

Weihnachten 2019

Endspurt. Nach zahlreichen Weihnachtsfeiern, langen Nächten, kurzen Wochenenden und dem krönenden Abschluss durch das Weihnachtssingen, gilt hier im Stadion das Motto: erst einmal Urlaub. Durchatmen. Bis es Mitte Januar wieder los geht. Ein voller Kalender, spannende neue, aber auch bereits bekannte Projekte stehen an. Startschuss geben zahlreiche Betriebsfeiern und Tagungen, gefolgt von der Hochsaison der Kongresse, einer kurzen Sommerpause und dem Endspurt zu den Weihnachtsfeiern. „Mit Vollgas in ein neues Jahr“, dachten wir.

Im Frühjahr 2020 dann der Schock. Eine der letzten Veranstaltungen findet statt, ausgerechnet eine Karnevalssitzung. Die erste im Tivoli. Das so weit entfernt gedachte kleine Virus erreicht auch uns. Getrost dem Motto: „Jetzt drehen alle durch!“ versuchen wir den neuen Alltag zu strukturieren:  Stornierungen, Stornierungen, Stornierungen. Erstellung von Hygienekonzepten, Paragrafen, Rechtsgrundlagen, Verordnungen, Empfehlungen. Mein neues Zauberbuch: die Corona Schutzverordnung. Allerdings ohne Glaskugel. „Wie geht es denn jetzt weiter? Wann geht es weiter?“ Augen zu und durch. „Im Herbst wird es wohl weiter gehen“, dachten wir.

Frühsommer 2020:

Eigentlich doch nett so eine Zwangspause. Die erste Stornierungswelle ist überstanden, so langsam kommt Routine rein. Es bleibt viel Zeit für Dinge, die man ohnehin schon immer einmal machen wollte, wenn es denn endlich einmal ruhiger wird. Sämtliche „Tür-auf - Plunder rein - Tür-zu“-Schränke können ausgemistet, Foodbooks überarbeitet, alte Möbel restauriert, Böden gründlich geputzt und Lager aufgeräumt werden. „Das wird schließlich bald wieder gebraucht“, dachten wir.

April 2020:

Ich denke in diesem Stadion oft: „Was ist denn hier los?“. Sehr oft, um genau zu sein. Doch damit habe ich nicht gerechnet. Normalerweise läuft jede Raumbuchung, die in keinem Zusammenhang mit dem Fußball steht, über meinen Schreibtisch. Obwohl, selbst die Fußballplanungen bekomme ich mit. Wir sind schließlich ein Team, wenn auch nicht aus dem selben Unternehmen. Aber eins schweißt uns zusammen: der Tivoli.

Ein Anruf des Stadionvermieters. „Komm mal kurz gucken“, heißt es. Nun stehe ich mitten in unseren Räumlichkeiten. Die wir verwalten. Für die wir als Eurogress zuständig sind und nichts, aber auch gar nichts davon, bereitete mich vorab auf diese Situation vor. Ein einziger Trubel, ein einziges Chaos.

Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei. Regio iT, NetAachen, die StädteRegion. Die ASB GmbH, die Niederberger Gruppe und mittendrin: meine Fassungslosigkeit.

Der Krisenstab richtet sich ein. Von jetzt auf gleich wird eine enorme Infrastruktur, bestehend aus Telefonen, Computern und Möglichkeiten zu Videokonferenzen, aufgebaut. So etwas kannte ich bis dahin nur aus dem Fernsehen.  

Doch damit nicht genug: fast jede unserer 30 Logen wird umfunktioniert zu drei Büroarbeitsplätzen für das Call Center. Jeder erhält einen Computer, ein Telefon, ein Headset. Ein Kabelsalat, den es selbst bei den größten Ausstellungen nicht gibt. Aber das wichtigste: es läuft!

Die Aufgabe: Terminvergaben für das kommunale Abstrichzentrum, das sich bereits im Norden des Stadions niedergelassen hat. „Wie soll das denn gehen, wenn die Fußballsaison wieder los geht? Bis dahin müssen die aber wieder raus sein.“ – so die Sorgen mancher Verantwortlichen.

Es scheint seinen fast gewohnten Gang zu gehen: täglich haben wir wieder zahlreiche Gäste im Haus, fleißige Mitarbeiter*innen, die im Call Center die Fragen der Bürger*innen beantworten, der Krisenstab. Überall Gewusel: im Stadion als auch außen. Jeder, der in den Behörden etwas zu sagen hat, ist bei uns zu Gast. So eine Arbeit macht selbst die Ranghöchsten hungrig. Es gibt täglich diverse Köstlichkeiten, ein warmes Mittagessen, Snacks, Getränke und ganz wichtig: Kaffee.

Von nun an gilt: Maskenpflicht. „Gilt das denn auch für das Personal, das hinter dem Buffet steht? Das ist doch superwarm!“ Eigentlich nervt es auch, die Maske permanent beim Telefonieren zu tragen. Ständig muss man an diese Maske denken. „Das kann ja nicht die Lösung sein“, dachten wir.

Sommer 2020:

Das KAZ, das Call Center und der Krisenstab sind unsere neuen Dauergäste. Sie gehören gefühlt schon zu uns. Über die Wochen und Monate hinweg lernt man sich kennen, plaudert auf den Gängen, arbeitet zusammen, kurz: man zieht an einem Strang! Gemeinsam schaffen wir das! Das Ergebnis der mühevollen Arbeit aller Beteiligter kann sich sehen lassen:

Die Lage beruhigt sich, die Fallzahlen sinken, die meisten Fragen der Bürger*innen sind beantwortet, das Telefonaufkommen lässt nach, die Ohren qualmen nicht mehr. Einen Impfstoff gibt es ohnehin noch nicht und nun wird sicherlich bald wieder alles in geregelten Bahnen verlaufen. Wir sind über den Berg. Rückbau steht an, alles zurück auf Anfang. „Tschüss Call Center, es war wirklich schön mit Euch!“

„Wir brauchen die Räume jetzt wieder selbst, für unsere Businessevents und den Fußball“, dachten wir.

Die ersten Buchungen der Drittveranstaltungen trudeln wieder ein, die Kunden sind optimistisch, die Sonderstornierungsbedingungen im Hinblick auf Corona ohnehin abgelaufen. Wie gesagt, wir wussten ja, dass es im Herbst weitergeht!

Der Westdeutsche Fußballverband veröffentlicht den Spielplan, die Alemannia ihr Hygienekonzept. Tische und Stühle müssen herausgeräumt werden, Theken abgesperrt, Desinfektionsmittelspender aufgestellt und Fieberkameras installiert werden. Laufwege werden gekennzeichnet, WC-Anlagen gesperrt, sämtliche Szenarien durchgespielt. Viele Hände und ein viel zu schnelles Ende!

Herbst 2020:

Über den Sommer ist es ruhig, das sind wir gewohnt. Doch das es nach dem Sommer immer noch so ruhig ist, das nicht! Wir haben dennoch viel zu tun, nachdem der Trubel nachgelassen hat: Aufräum- und Reinigungsarbeiten stehen an, eine interne Systemumstellungen, die Digitalisierung. Spannende Projekte, die sich ein perfektes Zeitfenster ausgesucht haben, um sich intensiv mit ihnen befassen zu können. Es geht voran. Home Office gehört schon seit langem zum Alltag, Videokonferenzen mit den Kollegen ebenfalls. Apropos: Wann hat man sich eigentlich zuletzt im richtigen Leben gesehen? Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter, die Erstellung neuer Hygienekonzepte, Brainstorming, Schlagabtausch, Kurzarbeit.

Hinsichtlich Veranstaltungen herrscht jedoch gähnende Leere. Auch im Fußball. Einige wenige Besucher durften die Schwarz-Gelben unter Hygienebedingungen aus dem Businessbereich verfolgen. Wenn auch nur einige Male.

Das Meiste ist untersagt und das, was stattfinden darf, muss die schärfsten Bedingungen erfüllen, die einerseits oftmals mit sehr hohen Kosten und andererseits mit sehr niedrigen Einnahmen verbunden sind. Für viele Veranstalter, Aussteller, Sponsoren, Dienstleister und Locations nicht mehr lohnend. Es rechnet sich nicht.

Die einzigen Gäste, die seit dem letzten Quartal 2020 wieder bei uns zu Gast sind und es voraussichtlich noch bis zum Spätsommer 2021 sein werden, sind zum wiederholten Male der Krisenstab sowie das nun neu benannte Gemeinsame Abstrichzentrum. Mit dem angrenzenden Impfzentrum in der 100,5 Arena wurde der Sportpark Soers sinnvoll genutzt in einer Zeit, die wir uns nie wieder zurückwünschen!

Stattdessen wünschen wir uns, dass Sie bald wieder alle bei uns zu Gast sind: wenn auch erst einmal nicht in Präsenzform, dann gerne virtuell! Mehr Informationen zu unseren Streamingangeboten finden Sie unter diesem Link.

Bleiben Sie gesund und denken Sie daran: et hätt noch immer joot jejange!

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